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Feminist Futures Gallery

Die Galerie beteiligt sich in diesem Jahr an einer Reflexion über feministische Demokratie. Sie ist ein politischer Rahmen, der demokratische Systeme neu bewertet und umgestaltet, um Geschlechterhierarchien und strukturelle Ungleichheiten abzubauen. Die feministische Demokratie geht über das grundlegende gesetzlich festgeschriebene Wahlrecht hinaus, um substanzielle Gleichstellung zu gewährleisten, und bezieht dabei die Ethik der Fürsorge, intersektionale Repräsentation sowie die Umverteilung von Macht im öffentlichen und privaten Leben mit ein. Der feministischen Theorie wird oft vorgeworfen, zu theoretisch und politisch zu weit entfernt von der Basis zu sein. Deshalb möchten wir dazu beitragen, Vorurteile und Sichtweisen abzubauen, indem wir eine vielfältige Gruppe von Künstler*innen und Performer*innen zusammenbringen und einen offenen und konstruktiven Austausch über Praxis, Wissen und gegenseitige Unterstützung fördern.

 

VERNISSAGE

Montag, 14.09.2026, 18:00 Uhr

Foyer, Kulturzentrum Protagon 

In Anwesenheit der Künstler*innen

 


PERFORMANCES UND HAPPENINGS
Lesung mit Katarina Kloppe und Kurzfilmvorführung von Ira Rogava, 14. September, 18:00 Uhr
Offenes Atelier: Workshop mit Caroline Bang, 15. September, 17:00–19:00 Uhr

 

 

Künstler*innen:

Camila Puerto – #NoMeMiresLeeme

Caroline Bang – Textile Beings

verwilderte fasern kollektiv Tentacles

Irina Rogava – Nie wieder, oder?

Katarina Kloppe – Die eigene Geschichte ist niemals singulär

Terezinha Malaquias – Schau mich an

Kuratiert von Effi Bodensohn und Anna D’Errico.

Camila Puerto wurde 1993 in Kolumbien geboren. Im Jahr 2000 zog sie mit ihren Eltern und ihrer Schwester nach Mexiko-Stadt. Von 2012 bis 2016 studierte sie Theaterwissenschaft an der Universidad de las Américas Puebla (UDLAP) und absolvierte 2019 eine Spezialisierung im Bereich Bühnenbild am „CENTRO diseño, cine y TV“. Seitdem ist sie als Schauspielerin tätig und hat in mehr als zehn Theaterproduktionen, Musikvideos und Kurzfilmen mitgewirkt, die auf nationalen und internationalen Filmfestivals gezeigt wurden. Darüber hinaus ist sie in Fernseh- und Netflix-Serien zu sehen. In den Jahren 2018–2019 war sie Co-Produzentin und Gestalterin der kurzen Comedy-Stücke „Barbie World“ und „Sensual Fantasy“. Seit Januar 2020 bildet sie sich außerdem in Schauspiel und Theateranthropologie am Odin Teatret weiter. Puerto ist Initiatorin und Regisseurin des Projekts #NoMeMiresLeeme, einer Fotokampagne gegen geschlechtsspezifische Gewalt in Mexiko, die am Internationalen Frauentag 2020 online veröffentlicht wurde.

 

Website/IG

#NoMeMiresLeeme

@camilapuerto

#NoMeMiresLeeme
Camila Puerto

#NoMeMiresLeeme 2023 ist eine fotografische Bewegung gegen geschlechtsspezifische Gewalt weltweit. Sie entstand durch die Zusammenarbeit von Künstlerinnen aus verschiedenen Disziplinen – u.a. Schauspielerinnen, Regisseurinnen, Autorinnen, Aktivistinnen und Theaterforscherinnen – und verschiedenen Ländern und Regionen wie z.B. Kurdistan, Marokko, Taiwan, Argentinien, Kolumbien, Deutschland, Großbritannien und Rumänien.
Die Bewegung umfasst eine Sammlung aus 30 Fotografien, auf denen jede Künstlerin ihre Botschaft auf ihren Körper schreibt und auf diese Weise zum Ausdruck bringt. Grundlage dieser Botschaften sind die persönlichen Erfahrungen jeder der 30 Frauen mit geschlechtsspezifischer Gewalt und/oder ihre Gedanken darüber, was es bedeutet, als Frau in ihrem jeweiligen gesellschaftlichen Kontext zu leben, der z.B. durch Herkunft, kulturelle Tradition, Religion, Migration oder Familie geprägt ist. Jede Künstlerin entwickelt die Worte in ihrer eigenen Sprache und entscheidet selbst, wie sie fotografiert werden möchte. Beides ist Teil der jeweiligen Aussage.
Die Bewegung entstand am 8. März 2020 um die Mittagszeit, als eine Sammlung von 33 Fotografien auf Instagram und Facebook als Protest gegen geschlechtsspezifische Gewalt in Mexiko veröffentlicht wurde, wo täglich zehn Frauen ermordet werden. Sie wurde von mexikanischen Schauspielerinnen, Fotografinnen und Maskenbildnerinnen initiiert und trug den Titel #NoMeMiresLeeme. Die Bewegung verbreitete sich und erreichte zahlreiche Frauen aus verschiedenen Bundesstaaten Mexikos, die sich ebenfalls über die sozialen Netzwerke beteiligten, indem sie den Hashtag verwendeten.

Caroline Bang (she/her) ist eine dänische Bühnenbildnerin und Textilkünstlerin mit Sitz in Aarhus, Dänemark. Sie studierte an der Norwegian Theatre Academy und der HfBK Dresden. Ihre Arbeit bewegt sich zwischen Theater, Performance, partizipativen Installationen und Ausstellungen. Aus einer tiefen Faszination für textile Materialität und Handarbeit heraus verbindet sie ihre künstlerische Praxis mit ökologischem Denken und einer kritischen Auseinandersetzung mit globaler Textilproduktion. Ihre Arbeit bringt häufig Crafting, Wissenschaft und kollektive Prozesse zusammen, um Räume der Fürsorge, Aufmerksamkeit und des gemeinsamen Gestaltens zu schaffen.

 

Website/IG

@carolinebangh/

Textile Beings

Caroline Bang

Textile Beings ist ein partizipativer Workshop und eine fortlaufende Ausstellung, die sich mit unserer persönlichen, politischen und über Generationen weitergegebenen Beziehung zu Textilien beschäftigt. Das Projekt begann 2025 als Ausstellung im Østfold Kunstsenter in Norwegen und wird seither fortgeführt und erweitert. Das Kunstwerk entsteht gemeinsam mit den Teilnehmenden in Workshops. Sie werden eingeladen, aus Stoffresten ein kleines textiles Porträt anzufertigen. Dazu beantworten sie fünf angeleitete Fragen zu ihrem Verhältnis zu Kleidung. Aus den ausgewählten Stoffstücken gestalten sie eine Komposition und nähen diese von Hand zusammen. Anschließend fügen sie ihr Werk zu den bereits entstandenen Arbeiten hinzu. Textile Beings verbindet persönliche Geschichten, Erinnerungen an textile Materialien und Erfahrungen mit Textilarbeit.

Für uns symbolisiert „verwilderte fasern“ (feral fibres) Wachstum, Überwucherung, das Wilde, das Fremde, das Farbenfrohe und das Ungeordnete – ein solidarisches Zusammenkommen, um etwas Neues zu bilden. Das Kollektiv besteht aus zwei queeren und trans* Künstler*innen aus Frankfurt/London. Manchmal verzweigen sich unsere „Fasern“ und binden weitere Künstler*innen und Mitwirkende ein; genau diese Momente lieben wir am meisten. Durch Theater, Installationen, Spoken Word Poetry, Videokunst und zeitgenössischen Tanz erforschen wir Themen, die für uns persönlich von Bedeutung sind – etwa Diskriminierung, psychische Gesundheit, Beziehungen, Sexualität und (queeres) Empowerment. Unsere Arbeiten wurden bereits im Café des Merveilles in Paris, im Museum für Angewandte Kunst, auf der Sommerwerft-Festival, dem Frauen*Theaterfestival und dem implantieren-Festival in Frankfurt sowie im Württembergischen Kunstverein in Stuttgart und beim ZeitZeug-Festival in Bochum präsentiert.

 

Website/IG

@verwilderte_fasernt

Tentacles – an installation on queer anger
verwilderte fasern

,,WEIBLICHKEITEN, DIE NICHT CIS, NICHT HETERO, NICHT
WEIß SIND, STEHEN UNTER STÄNDIGEM ZUGZWANG, IHRE
SANFTHEIT UND SOMIT WEIBLICHKEIT UNTER BEWEIS ZU
STELLEN. SIE MÜSSEN BEWEISEN, NICHT HASSEN, NICHT
ZORNIG, NICHT ZERSTÖRERISCH, NICHT DOMINANT, EBEN
NICHT MÄNNLICH ZU SEIN, UM ALS MENSCHLICH ANER-
KANNT ZU WERDEN.“ (Šeyda Kurt)


Das performative Installationsformat untersucht Wut als Unterwasserwesen: schleimig, mit Tentakeln, faszinierend statt bedrohlich. In ihrer Fotoserie verwandeln sich die Künstler*innen selbst in Monster der Wut – mit glitschiger Haut, klebrigem Haar, absurde Chimären aus Fleisch, Plastik und Fäden, umgeben von surrealem Unterwasserlicht. Ausgangspunkt ist die Frage, wer als „Monster“ bezeichnet wird: häufig queere Menschen, deren Widerstand gegen Ausgrenzung als Bedrohung stilisiert wird. Die Installation setzt sich mit Wut auseinander, die bereits früh im Leben unterdrückt wird, und lädt das Publikum dazu ein, sich diese Kraft, die oft „ins Dunkel verbannt“ wird, gemeinsam (wieder) anzueignen.

Irina Rogava Ira Rogava ist Fotografin, Filmemacherin und visuelle Erzählerin. Sie lebt und arbeitet in
Frankfurt am Main. Seit mehr als fünfzehn Jahren arbeitet sie in den Bereichen Fotografie,
Dokumentarfilm und Multimedia. Sie beschäftigt sich mit Fragen zu Identität,
sozialer Gerechtigkeit sowie mit Geschichten unterschiedlicher Menschen. Im Mittelpunkt ihrer künstlerischen
Praxis stehen heute Migration, Zugehörigkeit und Diskriminierung. Durch die Verbindung
von Fotografie, Videokunst und dokumentarischem Erzählen entwickelt sie Projekte, die es Menschen
ermöglichen, mit ihrer eigenen Stimme zu sprechen. Ihre Arbeiten machen persönliche
Geschichten im öffentlichen Raum sichtbar und fördern Dialog, gegenseitiges Verständnis
und Empathie.

 

Website/IG

www.irarogava.com

Nie wieder, oder?
Irina Rogava

Nie wieder, oder? ist eine multimediale Installation, die sich mittels Fotografie, Dokumentarfilm und persönlichen
Zeugnissen mit aktuellen
Diskriminierungserfahrungen in Deutschland auseinandersetzt. Das Gesamtprojekt vereint vierzehn Schwarz-Weiß-Porträts und
Videointerviews mit Menschen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft und
verschiedener Lebenserfahrungen. Für die Feminist Futures Gallery präsentieren wir eine Auswahl des
Projekts: sechs Frauenporträts und Videobeiträge, die einen gemeinsamen Raum aus Bildern, Stimmen und persönlichen Erzählungen schaffen. Anhand ihrer Erinnerungen und Erfahrungen sprechen die Teilnehmerinnen über verschiedene Formen von Diskriminierung, Unsichtbarkeit und die Suche nach Zugehörigkeit. Die Installation lädt die Besucher*innen nicht nur zum Betrachten, sondern auch zum Zuhören ein und schafft einen Raum für Dialog, Empathie und Reflexion über Vorurteile und Ausgrenzung in der heutigen Gesellschaft.

 

Katarina Kloppe (*1993) ist Künstlerin, Kunsthistorikerin und Autorin. Ihre interdisziplinäre Praxis beschäftigt sich mit der Konstruktion von Erinnerung sowie der Geschichte queerer Sichtbarkeit und Repräsentation in Film und Literatur. Sie lebt und arbeitet in Köln.

 

Website/IG

@katarina_kloppe

Die eigene Geschichte ist niemals singulär
Katarina Kloppe

Wort und Schrift sind seit Jahrhunderten ein wichtiges Instrument sowohl zur Überlieferung als auch zur Implementierung und Aushandlung von Macht. Wissen wird bewahrt und prägt Geschichtsschreibung. Doch wer teilt welche Informationen auf welchem Weg? Wer hat Zugang zu diesen Informationen?
Gerade queere Geschichten waren und sind häufig Zensur und Verdrängung ausgesetzt. Als Reaktion darauf entstanden Codierungen in Form von Andeutungen, Leerstellen, Chiffren und Mehrdeutigkeiten. Schrift ist so nicht mehr nur Speicher von Wissen, sondern auch ein Medium der Tarnung und des Wiederfindens. Sie wird zu einem Raum, in dem sich Bedeutung zwischen den Zeilen entfalten kann.
Die textilen Bücher greifen diese Zwischenräume auf. Fäden, Stoffe und Nähte werden zu Trägern von Erinnerung und Erzählung. Das Buch ist dabei nicht nur Objekt, sondern ein Ort, an dem Berührung, Material und Schrift aufeinandertreffen und an dem verborgene Geschichten eingeschrieben werden.

 

Installation mit Lesung am 14.09. um 18:00 Uhr während der Vernissage

Terezinha Malaquias wurde in Frutal, Minas Gerais, Brasilien, geboren, fühlt sich jedoch als Paulistana. São Paulo ist ihre Herzensstadt. Seit 2008 lebt sie in Freiburg im Breisgau, wo sie an der Edith Maryon Kunstschule eine Ausbildung zur Bildhauerin absolvierte.
In Brasilien studierte sie Theater und Performance und arbeitete professionell als Schauspielerin, unter anderem in kleinen Rollen in Telenovelas. Sie ist außerdem Autorin von 13 veröffentlichten Büchern, die sie ausschließlich auf Portugiesisch schreibt. Fünf ihrer Bücher wurden ins Deutsche und eines ins Englische übersetzt.

 

Website/IG

@terezinhamalaquias

Schau mich an
Terezinha Malaquias

In ihrer fortlaufenden Serie von Fotoperformances und Selbstporträts Schau mich an… / Look at Me… setzt sich Terezinha Malaquias mit Identität, Sichtbarkeit und der Politik des Sehens auseinander. Als afrobrasilianische Frau, Aktmodell und Migrantin, die in Deutschland lebt, nutzt sie ihren Körper, farbenfrohe Stoffe, Alltagsgegenstände und tragbare Kunst, um Stereotype zu hinterfragen und darüber nachzudenken, wie Frauen, insbesondere Schwarze Frauen, gesehen und dargestellt werden.
Die Serie lädt dazu ein, über das Äußere hinauszuschauen und die vielen Geschichten, Erfahrungen und Identitäten wahrzunehmen, die jeder Körper in sich trägt. In ihren Bildern verwandelt Malaquias das Gesehenwerden in eine Bekräftigung von Präsenz, Würde und Selbstbestimmung.