Das diesjährige Symposium des Internationalen Frauen*Theaterfestivals 2026 widmet sich feministischer Demokratie in Kunst, Theater, Aktivismus und Wissenschaft. Dabei sehen wir Demokratie als ein Versprechen und eine Hoffnung: Sie ist ein Versprechen, dass diejenigen, die von einer Entscheidung betroffen sind, das Recht haben, gleichermaßen an deren Entstehung mitzuwirken, ungeachtet ihrer Unterschiede und Hintergründe. Sie ist die Hoffnung, dass in einer demokratischen Gesellschaft Konflikte friedlich gelöst werden und dass Freiheit, Gleichheit und Solidarität als Leitlinien für das Zusammenleben fungieren.
Internationale und lokale Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen sind eingeladen, ihre Erfahrungen, Methoden und Perspektiven zu teilen und in den Dialog zu bringen. Wir fragen insbesondere, wie feministische demokratische Praxen in Kunst, Wissenschaft und Aktivismus gestaltet sein können, wie sie in und durch unsere Körper wirken und wie sich unterschiedliche Praxen gegenseitig inspirieren können. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Sichtbarkeit von BIPoC-Frauen* und anderen marginalisierten Gruppen auf und hinter der Bühne, in Aktivismus und Wissenschaft.
Wir suchen, wie schon in den letzten Jahren, nach Wegen, das patriarchale, eurozentrische Narrativ des Theatermachens zu verändern, indem wir auf eine Vielzahl feministischer Stimmen eingehen und auf kollektive Weise solidarische Verbindungen herstellen. Ein Fokus liegt dabei auf dem Austausch verschiedener Generationen über Erfahrungen mit der Bühne als performativem Raum für eine antirassistische, queer_feministische und demokratische Gesellschaftsutopie.
Wir beschäftigen uns mit folgenden Fragestellungen:
Über zwei Tage hinweg werden Podiumsgespräche, Vorträge, interaktive Workshops und Performances stattfinden.
Am ersten Tag fragen wir nach der Gestaltung feministischer demokratischer Praxen, insbesondere im Kontext von KI und dem Aufstieg antidemokratischer und antifeministischer Kräfte. Am zweiten Tag legen wir den Fokus auf Praktiken der Sorge und der Solidarität.
Mitwirkende:
Freitag, 18.09. 16h-18h
Samstag, 19.09. 14h-17h
Sprachen: Englisch/Deutsch
Weitere Mitwirkende:
… sind Künstler*innen des Festivals und alle, die finden, dass ihre Stimmen in diesem Rahmen gehört werden sollten – die Lust haben, gemeinsam (queer_)feministische Praxen zu erkunden.
…Verbündete und Interessierte sind herzlich eingeladen, zuzuhören, mitzudenken und nachzufragen.
Anmeldung bis zum 18.09.2026 unter info@iftf-frankfurt.com
in Kooperation mit Take Care! – Festival of Solidarity and Resistance
Ein Projekt des Frauenreferates Frankfurt

Dr. Nicol Rivera Aro (sie/ihr) ist eine chilenische Performancekünstlerin, Dramaturgin und Forscherin. Zudem ist sie ausgebildete Schauspielerin mit dem Schwerpunkt Drehbuchschreiben. Sie promovierte in Philologie an der Universität Leipzig. In ihren Arbeiten erforscht sie mit performativen Methoden die Beziehung zwischen Körper und Technologie. Dabei setzt sie sich mit Gender-Diskursen und Post-Porn auseinander und legt besonderes Augenmerk auf Sextech und nicht-materialistische Ansätze.
Darbyn Luisa Kalkuhl ist ein*e interdisziplinäre Künstler*in, die an der Schnittstelle von Sozialwissenschaften und performativer Kunst arbeitet. Als Gründer*in des Queeren Theater Kollektivs arbeitet Darbyn als konzeptionelle Regisseur*in und beschäftigt sich intensiv mit der Erforschung cyberfeministischer und neuroqueerer Ästhetik. In Darbyns künstlerischer Praxis verbindet sich theoretische Tiefe mit performativen Interventionen, um gesellschaftliche Machtstrukturen und normative Vorstellungen sichtbar zu machen.
Dr. Johanna Leinius ist Sozialwissenschaftlerin und wissenschaftliche Geschäftsführerin des Cornelia Goethe Centrums für Geschlechterforschung der Goethe-Universität. Ihre Forschungsinteressen sind u.a. intersektionale Perspektiven auf Antifeminismus und Autoritarismus, postkolonial-feministische Theorie, politische Ontologie, Geschlechterverhältnisse in der sozioökologischen Transformation sowie soziale Bewegungen. Aktuelle Veröffentlichungen sind „Gender(n)? Impulse und Positionen zu einer erregten Debatte“ (mit Bettina Kleiner und Heidi Lucja Liedke, Hrsg., transcript, 2026), „Entdemokratisierung gesellschaftlicher Verhältnisse durch autoritäre Geschlechterpolitiken“ (mit Franziska Martinsen und Inga Nüthen, Aus Politik und Zeitgeschichte 75, 2025) und „The Cosmopolitics of Solidarity: Social Movement Encounters across Difference“ (Springer Nature, 2022). Sie ist Mitbegründerin und Ko-Sprecherin des „Netzwerk Geschlechterforschung Hessen“ und Mitglied des DFG-geförderten wissenschaftlichen Netzwerks „Poststrukturalistische Protest- und Bewegungsforschung: Ein multiperspektivischer Analyseansatz“ (POPMAP).
Paula Helm ist Professorin für Empirische Technikethik (Empirical Computational Ethics) am Center for Critical Computational Studies (C3S) an der Goethe Universität Frankfurt. Ursprünglich in Anthropologie sowie Friedens- und Konfliktforschung ausgebildet, bewegt sich ihre Arbeit an der Schnittstelle von Science and Technology Studies, ethnografischen Methoden und Technikethik. Zu ihren Schwerpunkten gehören kulturelle Vielfalt, Critical Data Studies, Datenschutz und Anonymität, Plattformökonomie, Sprachtechnologie und Süchte. Neben ihrer ethnografischen Arbeit experimentiert Paula gerne mit computergestützten Methoden und kollaborativen Formaten wie Co-Design. Bevor sie zum C3S kam, war Paula Assistant Professor für Empirische Ethik und Data Science an der Universität Amsterdam. Ein zentrales Anliegen ihrer Arbeit ist es, ethische Fragen in der empirischen Forschung zu verankern und sie von der PR-Ebene auf die Ebenen technischer Entwicklung, Infrastruktur und Community auszuweiten. Paula ist Mitglied des europäischen KI-Forschungsnetzwerks ELLIS.
Franzy Deutscher ist freischaffende Intimitätskoordinatorin, Performerin und Bewegungspädagogin. Sie studierte Theaterwissenschaft und gründete 2017 das Netzwerk Kampfchoreografie, aus dem der Berufsverband für Intimitätskoordination und Kampfchoreografie (BIK) hervorging. Sie war maßgeblich an der Entwicklung von Richtlinien für Intimitätskoordination und Kampfchoreografie beteiligt und arbeitet als Dozentin z.B. an der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) München und an der Theaterakademie August Everding. Ihre Arbeiten sind an Theatern von Bozen bis Kiel sowie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen.
Annalena Maas ist freischaffende Regisseurin und ausgebildete Intimitätskoordinatorin. Sie studierte Germanistik und Regie und arbeitet bundesweit an Stadt- und Staatstheatern sowie in der freien Szene. Ihre feministischen, musikalischen Inszenierungen und interdisziplinären Stückentwicklungen verbinden künstlerische Praxis mit einer bewussten Auseinandersetzung mit Körper und Macht. Seit 2025 ist sie im Vorstand des BIK.
Regina Busch lebt und arbeitet als freie Theaterregisseurin in Frankfurt am Main. Sie ist Gründungsmitglied und künstlerische Leiterin der Daedalus Company, welche mehrfach mit dem Preis der Naspa Stiftung für ihre Produktionen ausgezeichnet wurde. Als Bild- und Kamera-Regisseurin des Hessischen Rundfunks streamte sie in der Alten Oper Frankfurt und beim Rheingau Musik Festival zahlreiche klassische Konzerte für das HR-Sinfonieorchester. Regina Busch erhielt mehrere künstlerische und Theaterregie-Stipendien, u.a. von der Kulturstiftung des Bundes und vom Goethe-Institut New York. Sie war Mitglied der Festivalleitung von „Politik im Freien Theater“ in Frankfurt am Main und engagiert sich in Vorständen verschiedener Verbände der Darstellenden Künste.
Helen Varley Jamieson ist Digitalkünstlerin, Autorin, Theatermacherin und Produzentin aus Aotearoa, Neuseeland. Ihre künstlerische Arbeit befasst sich mit sozialen und ökologischen Themen wie Wegwerfmentalität, Abfall und Umweltverschmutzung, den Auswirkungen von Technologie auf Mensch und Umwelt sowie feministischen Themen. 2003 war sie Mitbegründerin von UpStage, einer von Künstlern geleiteten Plattform für Cyberformance, die bis heute einen einzigartigen Online-Auftrittsort bietet. Helen engagiert sich seit Langem in feministischen, digitalen Kunst- und Open-Source-Netzwerken. Seit 1999 ist sie die „Web-Queen” des Magdalena-Projekts und verantwortlich für die Magdalena-Website und den E-Mail-Newsletter. Sie hat zahlreiche Online-Festivals und -Veranstaltungen sowie Theater- und Performance-Festivals in Neuseeland und München organisiert, wo sie derzeit lebt.
Melisa Tepeli, geboren 2000, lebt in Offenbach am Main und studiert im Master Friedens- und Konfliktforschung. Sie ist aktiv im kurdischen Frauenrat Amara und Stadtverordnete für Die Linke in Offenbach. 2024 war sie Teil der kollektiven Recherche-Performance Amargi – Mit der Jineolojî zu einem freien Theater? Ihre Hauptthemen sind feministische Organisierung, Friedensprozesse und Demokratisierung.
Andrea Keppler ist Referentin für Mädchenpolitik und -kultur im Frauenreferat der Stadt Frankfurt. Sie studierte Kunst- und Kulturwissenschaften in Leipzig und Rom. Vor ihrer letzten Tätigkeit beim Bundesprogramm „Demokratie leben“ arbeitete sie viele Jahre als Kuratorin und künstlerische Co-Direktorin für den queer-feministischen Kunstraum District Berlin. Sie hat verschiedene Projekte aus feministischer und intersektionaler Perspektive mitkuratiert, darunter „On Illness, Resistance and Modes of Collective (Health) Care”, „Memory Care” und „Revolt She Said”. Darüber hinaus war sie an Institutionen wie dem Institut Mathildenhöhe Darmstadt und der Sammlung Raussmüller Basel / Hallen für Neue Kunst tätig.